Coast FIRE
einfach erklärt
Kurz erklärt
Coast FIRE bedeutet: Du hast bereits so viel investiert, dass dein Vermögen bei langfristig angenommenen Renditen bis zum Rentenalter voraussichtlich auf dein Zielvermögen anwächst – auch wenn du keine weiteren Einzahlungen mehr leistest. Du arbeitest weiterhin für deine laufenden Ausgaben. Zusätzliche Altersvorsorge über neues Sparen wäre unter den getroffenen Annahmen nicht mehr erforderlich.
Stell dir vor: Du wachst morgens auf und weißt – selbst wenn du ab heute keinen einzigen Euro mehr für deine Altersvorsorge sparen würdest, könnte dein bereits investiertes Vermögen unter den getroffenen Annahmen bis zum Renteneintritt auf dein Zielvermögen anwachsen. Genau dieses Gefühl beschreibt Coast FIRE.
Klassisches FIRE: Du musst nie wieder arbeiten.
Coast FIRE: Du musst nie wieder für deine Rente sparen.
Der Name kommt vom englischen „to coast“ – also treiben lassen. Du hast schon Schwung geholt. Danach arbeitet vor allem der Zinseszinseffekt für dich.
Der schönste Moment ist nicht finanzielle Freiheit. Sondern der Moment, in dem dein Geld beginnt, für deine Zukunft zu arbeiten.
Das klingt paradox, macht aber in der Praxis einen riesigen Unterschied. Du hast keine Verpflichtung mehr, jeden Monat einen bestimmten Betrag beiseitezulegen. Du kannst in einen weniger gut bezahlten, aber erfüllenderen Job wechseln, deine Stunden reduzieren oder einfach ruhiger schlafen – weil die Altersvorsorge bereits gesichert ist.
Modellrechnung: Beispiel bei 2.500 € monatlichem Kapitalbedarf im Ruhestand und 4-%-Regel.
So funktioniert die Rechnung:
① FIRE-Zahl: Du möchtest im Ruhestand 2.500 € pro Monat aus deinem Depot entnehmen. Nach der 4-%-Regel brauchst du dafür 750.000 €.
② Coast FIRE-Zahl: Mit 30 Jahren und Rente mit 67 hast du 37 Jahre Zeit. Bei einer angenommenen Realrendite von 5 % p.a. reichen heute rund 123.000 € investiertes Kapital – der langfristige Vermögenszuwachs entsteht anschließend überwiegend durch den Zinseszinseffekt. Die tatsächliche Entwicklung kann höher oder niedriger ausfallen.
③ Was das bedeutet: Du arbeitest weiterhin für deine laufenden Ausgaben. Zusätzliche Altersvorsorge über neues Sparen wäre unter den getroffenen Annahmen nicht mehr erforderlich.
⚠️ Modellrechnung: Vereinfachtes Beispiel mit konstanter Realrendite von 5 % p.a. Steuern, Kosten, Inflation und Schwankungen sind nicht berücksichtigt. Keine Garantie für zukünftige Ergebnisse – ersetzt keine individuelle Finanzplanung.
Wie unterscheidet sich Coast FIRE von klassischem FIRE? Klassisches FIRE bedeutet, komplett von seinem Vermögen zu leben – man braucht kein Einkommen mehr. Coast FIRE ist ein früherer Meilenstein: Das Depot ist groß genug, um die Altersvorsorge zu sichern. Man arbeitet noch, aber nur noch für die Gegenwart, nicht mehr für die Zukunft.
Der entscheidende Hebel bei Coast FIRE ist der Zeitfaktor. Je früher der Vermögensaufbau beginnt, desto geringer kann unter gleichen Annahmen das notwendige Startkapital ausfallen – weil der Zinseszinseffekt über einen längeren Zeitraum wirken kann.
Das macht Coast FIRE besonders relevant für Frauen in der Aufbauphase: Statt sich auf eine ungreifbare Zielsumme zu fixieren, gibt es mit Coast FIRE einen konkreten, früher erreichbaren Meilenstein. Und wer ihn erreicht hat, spürt das im Alltag sofort – als weniger Druck, mehr Entscheidungsfreiheit.
Wer früh beginnt und langfristig regelmäßig investiert, hat grundsätzlich bessere Chancen, Coast FIRE früher zu erreichen als jemand, der erst viele Jahre später startet. Wie realistisch das Ziel ist, hängt von Sparrate, Rendite, Kosten und persönlicher Situation ab.
Wichtig für Deutschland: Die gesetzliche Rente kommt on top. Das Coast FIRE-Rechenbeispiel berücksichtigt keine staatliche Rente. Wer in Deutschland in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlt, hat zum Renteneintritt zusätzlich Anspruch auf eine Regelaltersrente – als möglicher Puffer für Inflation, einen höheren Lebensstandard oder unvorhergesehene Ausgaben. Die gesetzliche Rente kann den privaten Kapitalbedarf reduzieren, ersetzt ihn aber häufig nicht vollständig. Wie hoch die individuelle Rente ausfällt, lässt sich über die persönliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung einsehen.
Hinweis: Alle Angaben dienen der allgemeinen Veranschaulichung und stellen keine individuelle Anlage- oder Rentenberatung dar. Für eine individuelle Einschätzung empfiehlt sich eine unabhängige Finanz- oder Rentenberatung.
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Quellen
William Bengen (1994): Determining Withdrawal Rates Using Historical Data, Journal of Financial Planning · Cooley, Hubbard & Walz (1998): Retirement Savings: Choosing a Withdrawal Rate That Is Sustainable (Trinity-Studie) · Deutsche Rentenversicherung: persönliche Renteninformation, www.deutsche-rentenversicherung.de
